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„Was, du trägst PINK?“ Das fragte mich neulich eine alte Freundin. Die Bestürzung war gerechtfertigt. Immerhin hat es über 20 Jahre gedauert, bis ich mich mit der aufdringlichen Bubblegum-Nuance angefreundet habe. Denn was ist wohl die klischeebeladenste Farbe im Modekosmos? Genau, Pink. Pink ist Mädchen. Zuckersüß, Prinzessin, niedlich, tussig, Barbie, Ballett, Girlpower. Eine Reihe von Assoziationen, die alle in dieselbe Richtung zielen: Frau.

Pink: Wechselnde Klischees 

Die Mischung aus Rot und Weiß ruft in uns einige Vorurteile hervor. Manche davon sind fies. So stellte eine Studie mit 1000 Teilnehmern fest, dass 95% der Befragten Pink-Träger als wenig intelligent einstufen. Soll das nicht die Farbe der Frau sein? Autsch. So nach dem Motto: Schwaches Geschlecht, schwaches Image.

Pink ist eigentlich nichts anderes als ein abgeschwächtes Rot, was mit einem viel besseren Image (Selbstbewusstsein) davon kommt. Interessanterweise trugen Jungen genau deshalb Anfang des 20. Jahrhunderts typischerweise Pink. 1927 brachte das berühmte Time Magazine eine Liste heraus, bei der die größten Modekaufhäuser Amerikas Farbempfehlungen für Geschlechter definierten. Jungs Pink, Mädchen Blau. Das kennen wir heute doch genau andersherum! So wandelbar sind Klischees.

Auch ich kämpfte mit Berührungsängsten, weil ich mich  innerhalb der Schublade von Rosafans nicht wohl fühlte. Girly und süß? Nein, Danke. Daran merkt man wieder, wie Schubladendenken schadet und die Sicht versperrt. Mein Fazit: Vorurteile aus, Augen auf. Denn an und für sich, ist die Farbe ziemlich hübsch und definitiv eindrucksvoll. Nur die Assoziationen dazu schreckten mich ab. Aber nur weil unser Umfeld, die Erziehung oder die Gesellschaft uns Klischees eintrichtert, müssen wir uns nicht damit identifizieren. Die Geschichte der Farbe Pink zeigt, wie beliebig diese wechseln.

Ein pinkes Statementteil kombiniere ich gerne zu neutralen Farbtönen, damit die Farbe knallt. Schwarz wäre mir hier zu hart. Ich bevorzuge eine weitere Silhouette, damit die Signalfarbe lässig und unangestrengt wirkt. Durch einen Blouson oder eine Bomberjacke wirkt der Look unangestrengt. Heels sind  natürlich nicht optional.


Pictures by Marie Blau-Pielke

JACKET: MANGO  | TOP AND PANTS: ZARA  |  SHOES: VINCE CAMUTO  |  SUNGLASSES: WEEKDAY


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